Was die aktuelle Hitzewelle uns über Führung lehrt
Extreme Temperaturen bringen Menschen an ihre Grenzen. Körperlich, mental und manchmal auch emotional. Genau darin steckt eine wertvolle Erkenntnis für moderne Führung. Denn gerade unter Belastung zeigt sich, wie wirksam Selbstführung, Präsenz und echte Verbindung wirklich sind.
Hand aufs Herz: Wie gut schläfst du aktuell? Falls du in den letzten Tagen nachts wach gelegen hast, morgens schon vor dem ersten Kaffee geschwitzt hast oder dich gefragt hast, warum dich die kleinste Kleinigkeit plötzlich mehr nervt als sonst – willkommen im Club.
Bei Temperaturen von über 30 Grad geraten nicht nur Asphalt und Klimaanlagen an ihre Grenzen. Auch wir Menschen laufen anders als sonst. Genau deshalb ist die aktuelle Hitzewelle nicht nur ein Wetterthema. Sie ist (auch) ein Führungsthema. Denn während die Sonne draußen alles aufheizt, steigt in vielen Teams etwas anderes: Die Reizbarkeit. Die Erschöpfung. Die Ungeduld. Und manchmal leider auch die Konfliktbereitschaft.
Wer jetzt glaubt, seine Mitarbeitenden seien plötzlich unmotiviert oder wenig belastbar, könnte einem Denkfehler aufgesessen sein. Denn Menschen funktionieren bei 34 Grad schlicht anders als bei angenehmen 22 Grad. Die Führungskräfte übrigens auch.
Wenn selbst die Geduld ins Schwitzen kommt
Vor einigen Tagen stand ich an einer Supermarktkasse. Vor mir eine Frau, die sich lautstark darüber aufregte, dass die Schlange zu langsam voranging. Hinter mir verdrehte jemand die Augen. An der zweiten Kasse diskutierte ein Kunde mit einer Mitarbeiterin über einen Rabatt von wenigen Cent. Normalerweise wäre mir das vermutlich kaum aufgefallen. An diesem Tag dachte ich nur: „Interessant. Die Temperaturen steigen und gleichzeitig sinkt offenbar die Fehlertoleranz.“ Natürlich war das keine wissenschaftliche Studie. Aber wahrscheinlich kennst du ähnliche Situationen. Menschen reagieren empfindlicher. Sie sind schneller erschöpft. Konzentration und Geduld werden zu knappen Ressourcen. (Selbst-) Führung beginnt hier und nicht erst im Konflikt, sondern bereits im Verständnis dafür, was gerade mit Menschen passiert.
Menschen sind keine Maschinen
Das klingt banal und trotzdem verhalten sich viele Unternehmen genau so. Als müssten Menschen unabhängig von Wetter, Belastung oder Energielevel immer dieselbe Leistung abrufen können. Das ist eine Illusion.
Wer bei extremer Hitze dieselben Voraussetzungen erwartet wie an einem frischen Frühlingstag, verwechselt Leistungsbereitschaft mit Leistungsfähigkeit. Die meisten Mitarbeitenden wollen leisten. Sie können nur nicht immer in derselben Intensität leisten. Das ist kein mangelndes Engagement, sondern es ist ganz einfach menschlich.
Führung beginnt bei dir
An dieser Stelle wird es spannend. Denn die wichtigste Frage lautet nicht: „Wie motiviere ich mein Team bei dieser Hitze?“ Sondern: „Wie gehe ich selbst gerade mit meinen Ressourcen um?” Denn seien wir ehrlich: Auch Führungskräfte schlafen schlechter, sind manchmal gereizter, treffen bei großer Hitze nicht immer ihre besten Entscheidungen. Auch hier ist Selbstführung eine der wichtigsten Leadership-Kompetenzen überhaupt.
Wer sich selbst nicht wahrnimmt, wird auch die Belastungsgrenzen anderer übersehen. Wer die eigenen Warnsignale ignoriert, erwartet häufig unbewusst, dass andere das ebenfalls tun. Häufig ergibt da eine Überforderung.
Klarheit statt Aktionismus
Viele Führungskräfte reagieren auf sinkende Energie mit noch mehr Druck. Noch ein Meeting, noch eine Abstimmung, noch ein Projekt, noch mehr Tempo. Ein Team braucht in solchen Phasen etwas völlig anderes: Klarheit:
- Was ist heute wirklich wichtig?
- Was kann warten?
- Wo müssen wir unsere Energie einsetzen?
- Wo verschwenden wir sie gerade?
Menschen brauchen in anspruchsvollen Zeiten keine Dauerbeschallung. Sie brauchen Orientierung.
Die vielleicht wichtigste Leadership-Frage dieses Sommers
Vielleicht ist die aktuelle Hitzewelle sogar eine Einladung. Eine Einladung, Führung einmal anders zu betrachten. Nicht als Aufgabe, Menschen anzutreiben, sondern als Fähigkeit, Rahmenbedingungen zu schaffen, in denen Menschen ihr Bestes geben können. Gerade dann, wenn die Bedingungen nicht ideal sind. Denn Führung zeigt sich nicht an den leichten Tagen. Führung zeigt sich an den Tagen, an denen die Energie knapp wird. An den Tagen, an denen die Stimmung schwankt und an denen selbst die Geduld ins Schwitzen kommt.
Vielleicht liegt genau darin die wichtigste Erkenntnis dieses Sommers: Menschen brauchen nicht mehr Druck. Sie brauchen gute Führung.
In diesem Sinne wünsche ich dir stets einen kühlen Kopf an heißen Tagen!
Falls du dir gerade etwas frischen Wind, neue Perspektiven und einen inspirierenden Austausch rund um deine Führung wünschst, komm doch in die nächste Leadership Empower Hour.
Herzlichst,
Christine
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